Offener Brief der Geschäftsleitung – SLOTPACK der Auto-Organizer

Offener Brief der Geschäftsleitung


Heideck, den 18.09.2018


Gründer Tagebuch – letzter Eintrag
„Da steh‘ ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.“

Liebe SLOTPACK-Community!
Manche Einsichten kommen spät; und manche zu spät.
Ich muss der Wahrheit tief ins Auge blicken – und das Projekt SLOTPACK™ endgültig als gescheitert ansehen.
Ich bin nicht mehr in der Lage, die Produktion aufrecht zu erhalten – und die Fehler liegen, natürlich: bei mir.
An diejenigen von euch (Ihr seid immerhin über 2.000!), die das SLOTPACK kennen und lieben gelernt haben – Ihr seid eine handverlesene Minderheit. Euer Qualitätsanspruch und eure lobenden Worte schmeicheln mir (und sie nähren mein viel zu stolzes Ego). Aber der Markt fordert etwas anderes.


Lektion 1: Optik
Dem Markt ist egal, dass der Quadratmeter-Preis des Oberflächenmaterials jenseits der 20-Euro Marke liegt. Es sieht (zumindest auf den Fotos, was ja für den Online Handel das Wichtigste ist) aus, als wäre es einfach „nur aus Polyester“. Die wirkliche Qualität wird erst beim Berühren und riechen deutlich: Dass es frei von Schadstoffen, Lösemitteln und Klebstoffen ist, sieht man auf den Fotos nicht. Viele Kunden haben geschrieben, dass es in Realität wesentlich besser aussieht als auf den Bildern – und ich fand das eigentlich ganz schön. Besser als anders herum. 😉


Lektion 2: Zielgruppe
Das SLOTPACK ist aus einer sehr speziellen Anforderung entstanden. Kaum ein Autofahrer kennt das Problem, sofern Er oder Sie weniger als 4.000km pro Monat allein im Auto fährt. Erst ab einer bestimmten „Laufleistung“ wird der tatsächliche Nutzen und die Alleinstellung klar.
Bei mehr als 80.000 Neuzulassungen dienstlich genutzter Fahrzeuge pro Monat in Deutschland war ich ursprünglich der Ansicht, das Produkt würde reißenden Absatz finden – aber niemand sucht nach einer Lösung für ein Problem, das man noch nie hatte.


Lektion 3: Preis
Oh der Preis… 149,95 Euro für ein Premium-Produkt ist an sich nicht besonders hoch – einige von euch gehen dafür zwei Mal an die Zapfsäule.. Andere rechnen den Preis gegen die Positionen im Bußgeldkatalog, wo geschrieben steht, dass ungesicherte Ladung im Innenraum auch gerne mal 75 Euro Strafe kosten darf. Dass die „billig Organizer“ die gesetzlichen Auflagen gar nicht erfüllen können, steht nicht auf der Packung. 😉
Den Vergleich mit den Marktbegleitern (oder dem „Ablage-Paket“ im Konfigurator), die auch gerne bis zu 499,- Euro kosten können strengt kaum jemand an. Das SLOTPACK ist tatsächlich in keiner „Kategorie“ wirklich zu Hause. Es bietet kleine, unscheinbare aber extrem aufwändige technische Antworten auf sicherheitsrelevante und gesetzliche Anforderungen. Aber es kostet deutlich mehr als 14,99 €


Lektion 4: eigene Lernkurve
Viel zu lange war ich der Meinung dass mein Unternehmen dann erfolgreich sein könnte, wenn ich selbst mich auf das Konzentriere, was ich am besten kann: Produkte entwickeln.
Ich habe es vermieden, mich recht zeitintensiv in Marketing und Werbung „aufzuschlauen“ und habe darauf vertraut, dass meine „Berater und Agenturen“ echte Profis sind.
Einige wenige echte Perlen waren dabei –sind mir sogar noch bis heute treu und begleiten mich auf diesen letzten Schritten.
Aber ich habe leider viel zu viel Lehrgeld bezahlt mit wechselnden Strategien und vermeintlichen „Experten“.
Der größte Schmerz in dieser Angelegenheit trifft mich, wenn mir bewusst wird, dass ich einfach nicht „Gebildet“ genug war, um die Arbeit dieser Experten wirklich zu überprüfen. Ich habe vertraut auf professionelle Marketing-Strategen, deren größte Werbe-Leistung es war, mir Ihre eigene Leistung zu verkaufen.

Lektion 5: Handschlagqualität
Dieses Thema trifft mich wohl am härtesten. Und ich brauche tatsächlich einige „Atempausen“ während ich meine Gedanken hier aufschreibe. Es schmerzt.
Ich will glauben, dass es so etwas wie Loyalität und Handschlagqualität gibt. Ich will danach leben und ich will zu meinem Wort stehen. Ich finde das wichtig. Und richtig.
Leider bin ich mit diesem Anspruch im Verlauf der letzten Monate viel zu blauäugig gewesen. Ich habe viel zu oft Einsicht und Verständnis gezeigt, wo eigentlich rechtliche Mittel angebracht gewesen wären. Ich habe meinen Lieferanten Vorschüsse gezahlt und warte teilweise noch heute auf Leistungen, die ein wesentlicher Bestandteil meiner Wachstumsstrategie sein sollten.
Ich war ein Lappen – viel zu gutmütig. Was ich heute fühlen muss ist meine gerechte Strafe.

Ich habe in den vergangenen zwei Jahren vermeintlich alles dafür getan, die Marke SLOTPACK zum Erfolg zu bringen. Aber ich war zu stolz. Ich habe geglaubt ich könnte mit dieser hohen Qualität überzeugen, in einem Markt der tatsächlich von Preiskampf regiert wird.
Durch die großen Erfolge zu Beginn der Markteinführung habe ich zu viele Projekte gleichzeitig begonnen (Zubehör, Internationaler Auftritt).
Als dann die Nachfrage weniger wurde und meine Werbeausgaben nicht mehr in einem gesunden Verhältnis zu den Einnahmen standen, habe ich zu viele Dinge gleichzeitig verändert – was eine Erfolgs-Messung unmöglich macht. Ich wusste das sogar – aber ich war in Panik. Ich hatte bereits zu viele Verpflichtungen aufgeladen.
Mein Großhandels-Partner hatte zwischenzeitlich seine Handlungen eingestellt – von mir unbemerkt. Erst durch die Frage eines Kunden: „Der sagt er macht gar nichts mehr mit SLOTPACK“ habe ich davon erfahren. Zwei Monate zu spät.


Probleme mit Zustelldiensten, technische Fehler auf Plattformen (auf einem der wichtigsten Marktplätze war das SLOTPACK über sechs Wochen hinweg nicht auffindbar – und bei der Suche nach dem Markennamen kam der Vorschlag zu einem der „Marktbegleiter“) und die endlose Verzögerung von „Dreh und Angelpunkten“ meiner Markt-Strategie führen schlussendlich dazu, dass meine Erfindung nicht mehr produziert wird, wenn sie im Fernsehen zu sehen ist.
Es hat etwas von „kosmischem Witz“, dass die Beträge - die nun in diesen letzten Stunden meine Firma in die Knie zwingen - die Rechnungen der Werbeagenturen sind, die eigentlich mein Durchbruch sein sollten.


Dass der Gutschein, der im „wohl bekanntesten Hochglanz-Männer Magazin der Welt“ kurz vor Weihnachten erscheinen wird, zu nichts mehr nütze ist, hat die Medienagentur, die ihn mir angedreht hat billigend in Kauf genommen. Seit vier Monaten bitte ich um Rücksprache um eine zielführende Lösung zu finden. Aber man stellt sich taub.

Und am Ende?
Alles meine Schuld. Punkt.
Ein wichtiger Grundsatz in meiner Coaching-Praxis lautet: „Es gibt kein Scheitern – nur Feedback.“
Also habe ich selbst die Wahl, ob ich die Schuld bei anderen suchen, oder meinen Kopf aus dem Sand ziehen und endlich der Wahrheit ins Auge blicken werde: „Der Fisch stinkt vom Kopf.“

In einer letzten Maßnahme werde ich die noch verbleibenden „paar hundert“ SLOTPACKs zu 99 Euro „auf den Markt werfen“, mich umdrehen… und gehen. Wohin, das weiß ich noch nicht genau. Ich werde mich erstmal orientieren, wohin mich diese Erfahrung getragen hat. Aber ich weiß eine Sache ganz sicher: Fortsetzung folgt.

Aus tiefstem Herzen, meine Liebe SLOTPACK-Community, liebe Kundinnen und Kunden – es war mir ein Fest.


Herzliche Grüße – und allzeit gute Fahrt!
Euer Jens